Stefan Bargstedt

IM GESPRÄCH MIT STEFAN BARGSTEDT
(DESIGNER & PARTNER OBLIK)

Interview // SELECTION 2016/2017
 

STEFAN BARGSTEDT, SIE LEITEN SEIT EINIGEN JAHREN (GEMEINSAM MIT MATTHIAS DÖRMANN UND DAVID LINDEMANN) DAS INTERDISZIPLINÄRE DESIGNBÜRO OBLIK MIT SITZ IN BREMEN. WIE KAM ES DAMALS EIGENTLICH ZUR GRÜNDUNG?
David und ich kannten uns aus dem Studium an der Hochschule für Künste Bremen. Matthias ist uns als „Senior“ eine Dekade Erfahrung voraus. David lernte ihn 2002 bei der Bremer CI-Agentur in(corporate kennen. Wir hatten das eine oder andere Mal zusammen an Projekten gearbeitet und dabei festgestellt, dass wir gleich ticken – als wir das realisierten, sagten wir uns: Lasst uns die passenden Räume suchen. Und los ging es. Eine Initialzündung war dann der Katalog der Schönsten deutschen Bücher 2009, den wir für die Stiftung Buchkunst gestalteten.

WAS GENAU UMFASST DAS LEISTUNGSSPEKTRUM VON OBLIK?
Eine Unternehmens- bzw. Markenidentität betrachten wir als vertrauenswürdige, authentische Persönlichkeit. Dieses Gesamtbild entsteht im Zusammenspiel aller charakterlichen Eigenschaften der Marke. In diesem Konzert spielen wir die Instrumente der Designer – mit Strategie zu guter Gestaltung. Von der Beratung im CI-Prozess und der strategischen Konzeption über die Definition der Corporate Design-Parameter bis zur Umsetzung der Medien. Print, Web und im Raum.

INWIEFERN UNTERSCHEIDET SICH DIE AGENTUR VON DEN MITBEWERBERN? WAS ZEICHNET OBLIK IHRER MEINUNG NACH AUS?
Unser Mitarbeiter machen manchmal Witze darüber: „Hier gibts ja fast mehr Chefs als Angestellte!“ Und das bringt die Frage schon auf den Punkt: Bei uns ist Gestaltung Chefsache. Wir nehmen jeden unserer Kunden ernst und halten Gestaltung für eine ernsthafte Sache. Und wenn es am Ende gut gemacht ist, macht gutes Design Spaß. Davon sind wir überzeugt.

ÜBER DIE VERGANGENEN JAHRE HABEN SIE AN ZAHLREICHEN PROJEKTEN FÜR GANZ UNTERSCHIEDLICHE KUNDEN GEARBEITET. KÖNNEN SIE UNS LÖSUNGEN NENNEN, AUF DIE SIE GANZ BESONDERS STOLZ SIND?
Es sind nicht unbedingt die spektakulären Ergebnisse, die uns „stolz“ machen. Vielleicht sogar im Gegenteil. Wenn eine Lösung in sich stimmig ist und sich weiter trägt, dann haben wir alles richtig gemacht. Als Beispiel fällt mit da die Roland-Klinik ein. Es begann mit der Anfrage nach einem neuen Briefbogen. Wir konnten den Kunden im Verlauf eines längeren Prozesses überzeugen, dass die geplanten Veränderungen im Krankenhaus sich auch im Design ausdrücken müssen, um ein erfolgreiches Produkt strategisch weiterzuentwickeln. Wir überarbeiteten mit dem Kunden das CI/CD von Grund auf: Leitbild, Naming, Logo, Claim, CD. Peu à peu zog das neue Erscheinungsbild über Jahre in alle Medien des Unternehmens ein und beeinflusste am Ende selbst die Architektur und die Sprache im Haus. Wir begleiten die Roland-Klinik auf dem Weg zu einer authentischen und erfolgreichen Marke. Sie ist heute ein Ort, an dem man gern ist – auch wenn das Bein gerade wehtut. Das macht uns stolz.

GIBT ES MOMENTAN BESTIMMTE TRENDS UND ENTWICKLUNGEN, DIE SIE IM BEREICH DESIGN SPÜREN?
Es begegnet uns aktuell öfter ein vordergründiger Formalismus, eine künstlerische Selbstverliebtheit im Design. Das macht die Dinge schön, aber auch austauschbar. Eine gute Gestaltungslösung sollte aus dem Problem heraus entwickelt werden, um nachhaltig und authentisch zu sein. Auf der anderen Seite nehmen wir ein wachsendes Bewusstsein wahr für die integrale Funktionen von (Corporate) Design in der Markenführung.

BITTE VERVOLLSTÄNDIGEN SIE: EIN UNTERNEHMEN SOLLTE OBLIK BEAUFTRAGEN, WENN …
… es offen und neugierig auf Veränderung ist.

GIBT ES BESTIMMTE MARKEN, FÜR DIE SIE LIEBEND GERNE AKTIV WERDEN WÜRDEN? SOFERN JA: FÜR WELCHE UND WESHALB?
Uns reizen spannende Prozesse mehr als nur der große Name. Ein produktives Miteinander im Dialog mit dem Kunden macht tolle Ergebnisse möglich. Das ist uns wichtig. Es gibt so viel Potenzial für hervorragende Designarbeit.

NENNEN SIE UNS DOCH BITTE DREI WEBSEITEN, DIE SIE HÄUFIG ODER REGELMÄSSIG BESUCHEN.
Man starte mit google.de, um sich durch den „Doodle“ auf den Tag einzustellen, gefolgt von der-postillon.com, um hinter Nachrichten die „Wahrheit“ zu verstehen, und als Fahrradfahrer: wetteronline.de/regenradar

WIE EMPFINDEN UND BEWERTEN SIE MOMENTAN DIE KREATIVBRANCHE IN DEUTSCHLAND? GERNE AUCH IM INTERNATIONALEN VERGLEICH.
Was wäre hier denn eine richtige Antwort? Als Bremer schaut man natürlich herab auf die internationale Szene und denkt: Ganz nett.

ABSCHLIESSEND NOCH EINE FRAGE: OBLIK IST IN BREMEN ANSÄSSIG. WAS SCHÄTZEN SIE SOWOHL BERUFLICH ALS AUCH PRIVAT AN DEM STANDORT?
Bremen ist eine tolle Stadt zum Leben, gerade mit Kindern. Nicht zuletzt, weil sie im wahrsten Sinne eine Stadt der kurzen Wege ist. Man kommt oft mit dem Fahrrad schneller ans Ziel, als mit dem Auto. Und man kennt sich. Man begegnet sich des öfteren. Das ist ein beruflich wie privat spannender Umstand. Und Bremen hat Haltung – eine herzliche, stolze hanseatische … ja und auch soziale. Das mag etwas antiquiert wirken, aber wir halten es nicht für Folklore – sondern für Identität.

 
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Stefan Bargstedt ist Designer und Partner bei der Bremer Designagentur oblik, die er 2009 zusammen mit David Lindemann und Matthias Dörmann gründete.

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