Artikel // André Golloch & Stefan Müller

»MEHR ALS NUR WERBUNG – WAS AGENTUREN HEUTE LEISTEN MÜSSEN«
von André Golloch & Stefan Müller (Gründer & Geschäftsführer Rookie)

 
Fachartikel // SELECTION 2017/2018 (Band 10)
 

Die Anforderungen an das Marketing haben sich in den letzten Jahren rasant verändert. Sie sind geprägt von immer mehr Marken, Medien und Kommunikation, von einem komplexer werdenden Gesamtumfeld, von verstärktem Wettbewerbsdruck und nicht zuletzt von beschränkten Ressourcen. Doch nicht nur Marketingentscheider müssen sich mit diesen Veränderungen Tag für Tag auseinandersetzen. Auch für Agenturen hat diese Entwicklung elementare Auswirkungen. Auf das Angebot. Auf die Struktur. Und auch auf die Arbeitsweise.

Die „big idea“ – das war lange Zeit der kreative Angelpunkt, um den sich alles gedreht hat. Einmal entwickelt und vom Kunden für gut befunden wurde diese Idee in den verschiedenen Kanälen umgesetzt – und hat Marken oder Produkten ihr Gesicht verliehen. Sicher: Die big idea ist auch heute noch von elementarer Bedeutung für den kreativen Output einer Agentur. Aber sie alleine wird schon lange nicht mehr den Anforderungen gerecht, die das Marketing an Agenturen heute stellt. Denn Marken und Unternehmen sind auch aus Sicht der Verbraucher viel mehr als ihre – wenn auch gut gemachten – Werbekonzepte.

Wer als Agentur eine Marke oder ein Unternehmen ganzheitlich betreuen und damit auf Augenhöhe mit dem Kunden stehen will, muss noch auf ganz andere Fragestellungen eine kreative Antwort haben – und damit dem Kunden beratend zur Seite stehen. Dabei kann es um die Sortimentsstrategie, die Produktentwicklung, das Firmenleitbild, die Strategie der Vertriebskanäle oder auch ein völlig neues Business-Modell gehen. Gefragt ist also eine unternehmerisch-strategische und eine kommunikative Kreativität, die übergeordnete Ideen generiert – und Lösungen entwickelt, die beim Konsumenten ankommen. Und genau hier liegt die Kernkompetenz von Agenturen: in der Verknüpfung von Konsumentenverständnis und Kreativität.

Wohin der Trend geht, zeigt auch das Bestreben diverser Consulting-Unternehmen, die reihenweise Digital- oder Kreativagenturen kaufen, um der Entwicklung gerecht zu werden und die eigene Wertschöpfungskette auszubauen. Hier stellt sich allerdings die Frage, wie glaubwürdig und nachhaltig kreative Prozesse und Produkte in Strukturen und Abläufe einer Unternehmensberatung integriert werden können.

Doch auch für Agenturen entstehen strukturelle Herausforderungen. Aus der Historie heraus wurden Agenturen meist dann involviert, wenn es um die Umsetzung vorhandener Strategien oder Konzepte ging. Kreativität muss heute aber bereits viel früher ansetzen. Dies erfordert ein Umdenken bei Agentur und Kunde. Möchte ein Kunde das kreative Potenzial einer Agentur nutzen, muss er sie als strategischen Partner betrachten und bereits bei Konzept- und Strategieentwicklung einbinden. Möchte eine Agentur einen Kunden ganzheitlich betreuen, darf sie nicht abwarten bis der Kunde ein Briefing serviert, sondern muss sich proaktiv einbringen, Denkanstöße liefern und mehr bieten als bunte Bilder und lustige Headlines. Geschieht dies nicht, wird sie sich zwangsläufig mit dem Job als verlängerte Kreativ-Werkbank zufriedengeben müssen – und wird so austauschbar oder schlimmer noch: verzichtbar.
 


ANDRÉ GOLLOCH UND STEFAN MÜLLER sind Gründer und Geschäftsführer der Agentur Rookie in Düsseldorf. André Golloch ist für die Bereiche Strategie und Beratung, Stefan Müller für den Bereich Kreation verantwortlich. Nach verschiedenen Stationen in großen inhabergeführten und Network-Agenturen haben sich die beiden 2011 mit Rookie selbstständig gemacht.

ROOKIE versteht sich als markenführende Agentur mit den Schwerpunkten klassische und digitale Kommunikation. Die Konzepte werden in disziplinübergreifenden Teams erarbeitet und zu durchgängigen, kanalunabhängigen Markenauftritten verknüpft. Auf der Kundenliste stehen u. a. bofrost*, Roland Schuhe, Aoste, Home Company, Kamps Bäckereien und PARSA Beauty.

→ www.rookie.de