Interview // Florian Grimm

IM GESPRÄCH MIT FLORIAN GRIMM
(CHIEF CREATIVE OFFICER GGH MULLENLOWE)

 
Interview // SELECTION 2017/2018 (Band 10)
 

SIE SIND CHIEF CREATIVE OFFICER VON GGH MULLENLOWE. KÖNNEN SIE UNS KURZ ETWAS ZUR ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DER AGENTUR ERZÄHLEN?
Die Ur-Agentur wurde von meinen Partnern Nils Gallun und Benedikt Holtappels schon 1994 gegründet. Ich bin 2003 nach vielen Jahren bei Springer & Jacoby dazu gestoßen und seit 2005 firmieren wir als GGH. Seit 2014 mit Anbindung an das internationale IPG Netzwerk MullenLowe.

WAS UMFASST DAS LEISTUNGSSPEKTRUM GENAU?
Wir können strategisch richtige, tolle Kreation, aber vor allem diese auch in einer immer komplexer werdenden Medienlandschaft tatsächlich so auf die Straße bringen, dass sie sichtbar sind. Im Detail bringen wir neben strategischer und kreativer Expertise in klassischer Werbung, umfangreichende Erfahrung in vielen digitalen Spezialdisziplinen mit. Zum Beispiel von klassischen digitalen Werbemitteln über CRM, bis zu der Konzeption von umfangreichen Webanwendungen.

INWIEFERN UNTERSCHEIDET SICH DIE AGENTUR DENN VON MITBEWERBERN? WAS ZEICHNET GGH MULLENLOWE AUS?
Neben vielen kreativ ausgezeichneten Kampagnen für große Marken und unserer breiten Digitalexpertise, glaube ich, ist das besondere an uns, dass wir uns, auch mit knapp 100 Mann, wie eine kleine Agentur anfühlen. Dabei sind wir Teil eines internationalen Netzwerks aus 70 Ländern. Wir nennen das „globale Boutique“. Uns ist es sehr wichtig unseren Kunden etwas genauer zuzuhören und ihnen eine Lösung anbieten, die einen echten Vorteil zum Wettbewerb verspricht. Wir verstehen Kommunikation nicht als „Verkaufe“, sondern als authentische Interaktion. Die Zeiten, in denen man seine Botschaft rausbrüllen konnte und diese brav von Verbrauchern rezipiert wurde, sind vorbei. Gerade deswegen spielt für uns auch kreatives CRM eine große Rolle im Kommunikationsprozess.

VERVOLLSTÄNDIGEN SIE DOCH BITTE: EIN UNTERNEHMEN SOLLTE GGH MULLENLOWE BEAUFTRAGEN, WENN …
… man an eine partnerschaftliche Zusammenarbeit glaubt und eine Agentur sucht, die vielleicht etwas genauer zuhört und keine Standardlösung aus dem Hut zaubert.

NENNEN SIE UNS DOCH BITTE DREI WEBSEITEN ODER APPS, DIE SIE REGELMÄSSIG ODER HÄUFIG BESUCHEN/BENUTZEN.
Doodle Jump, Pornhub, QR-Reader.

ÜBER DIE JAHRE HABEN SIE UND IHR TEAM AN ZAHLREICHEN PROJEKTEN FÜR UNTERSCHIEDLICHSTE KUNDEN GEARBEITET. GIBT ES LÖSUNGEN, AUF DIE SIE BESONDERS STOLZ SIND?
Natürlich fällt mir als erstes unsere „Rechts gegen Rechts“-Aktion ein. Bei dieser Aktion ist es nicht nur die unglaublich einfache Idee, die für so viel Aufsehen gesorgt hat – sondern auch die perfekt orchestrierte Verbreitung der Kampagne, die die ganze Welt begeistert hat. Wir betreuen seit 2003 die äußerst komplexe digitale Kommunikation für IKEA, inklusive des E-Mail-Marketings. Bei diesen Mengen an kleinteiligen Kampagnenelementen so eine tolle Marke sichtbar und selbstähnlich zu führen, ist etwas, auf das wir sehr stolz sind. Es sind einfach so unfassbar viele kleinere Projekte, die mit viel Liebe zum Detail von unserem Team umgesetzt werden. Zum Beispiel unsere Umfragen für IKEA oder clevere Newsletter, die Spaß machen und unerhörte Öffnungsraten erzielen. Außerdem begleiten wir E.ON jetzt schon seit 4 Jahren dabei, die Repositionierung vom Stromversorger zum Anbieter von Energielösungen zu vollziehen – über eine behutsame Evolution der Markenwerte.

GIBT ES BESTIMMTE TRENDS UND ENTWICKLUNGEN, DIE SIE AKTUELL IM BEREICH DER MARKENKOMMUNIKATION SPÜREN?
Am prägnantesten ist wohl, dass ständig neue Kanäle und ganz anders tickende Zielgruppen ins Spiel kommen. Das macht aber die Arbeit zunehmend kleinteilig und komplizierter. Unternehmerisch ist das übrigens auch eine große Herausforderung. Die unterschiedlichen Aufgaben auf unterschiedlichen Kunden führen zu einer sehr individuellen Teamaufstellung. Das Geschäftsmodell wird liquider und muss regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden. Aus kreativer Sicht hat Werbung an Leichtigkeit und Freude verloren. Der große Performancedruck, der sich auf die Kommunikation niederschlägt raubt den Marken viel emotionale Begehrlichkeit.

WIE EMPFINDEN SIE AKTUELL DIE DEUTSCHE KREATIVBRANCHE?
Ich stelle bei internationaler Arbeit fest, dass in anderen Ländern häufiger nicht so viel reingeredet wird und den Kreativen mehr Freiraum gelassen wird, ihre Arbeit anständig machen zu können. Hier in Deutschland ist der Kunde viel eher geneigt bis ins Detail mitzureden. Und die alte Geschichte gilt nach wie vor: Mehr Mut täte der deutschen Kommunikationslandschaft gut. Nicht immer nur richtig sein wollen, sondern die Herzen der Menschen berühren.

GIBT ES BESTIMMTE MARKEN, FÜR DIE SIE LIEBEND GERNE AKTIV WERDEN WÜRDEN? SOFERN JA, FÜR WELCHE UND WESHALB?
Ich finde fast jede Branche interessant, solange sie ethisch vertretbar ist. Je anspruchsvoller die Aufgabe, desto besser. Spannend finde ich es, Branchen durch die Transformation zu begleiten, die heutzutage in der Kommunikation notwendig ist. Sei es z. B. in der Automobil- oder Energiebranche oder auch im Handel, der ohne ein klares Commitment zu digitaler Transformation nicht mehr funktionieren wird. Viele FMCGs haben damit zu kämpfen, dass „Marke“ hier heute nicht mehr so funktioniert wie noch vor wenigen Jahren. Auch das ist eine total spannende Herausforderung.

WIE UND WO SEHEN SIE DIE AGENTUR IN EIN PAAR JAHREN?
Ein kreativer Player, der es immer wieder in die Top Ten schafft. Wir wollen gemeinsam mit unseren Kunden zeigen, dass echte, große Ideen immer noch der Schlüssel zu kommunikativem Erfolg sind.

GGH MULLENLOWE IST IN DEUTSCHLAND IN HAMBURG UND FRANKFURT ANSÄSSIG. WAS SCHÄTZEN SIE SOWOHL BERUFLICH ALS AUCH PRIVAT AN DEN STANDORTEN?
Äppelwoi und Mexikaner.
 


FLORIAN GRIMM hat ein knappes Jahrzehnt bei Springer & Jacoby gearbeitet und dort eine Menge hoch dekorierter Kampagnen verantwortet. 2005 gründete er seine eigene Agentur Grimm Gallun Holtappels, kurz GGH. 2014 folgte die Anbindung an das internationale IPG Netzwerk MullenLowe. Zu den Kunden von GGH MULLENLOWE zählen u. a. IKEA, E.ON, Union Investment, Fielmann und Futterhaus. Neben vielen Kreativpreisen hat Florian Grimm übrigens auch eine Lederhose gewonnen, die Elvis Presley gehört hat. Das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

→ www.ggh-mullenlowe.de